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Archive for the ‘Biogasanlagen’ Category

Gute Nachbarschaft

Als interessierter Bürger habe ich mich bei einer Veranstaltung zur Diskussion über die Baccumer Biogasanlage „Bioenergie: Chancen – Risiken – Lösungsmöglichkeiten“ heute abend (8.4.10) im Saal Hense eingefunden. Eigentlich wollte ich mich über Vor-und Nachteile von Biogasanlagen informieren, hatte deswegen aufgrund der hochkarätigen Eingeladenen eine neutrale und sachliche Berichterstattung erwartet. Die eingeladenen Gäste haben diese Erwartungen auch erfüllt, nicht aber unbedingt auch die Hörer/Beteilgten.

Bis heute stand ich Biogasanlagen prinzipiell positiv gegenüber, das gilt jetzt nicht mehr, insofern hat es der Abend voll gebracht.

Die eingeladenen Gäste haben eine Vielzahl von für mich neue Statements gebracht:

– 30% der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Emslandes würden nur ca. 2 % des Energiebedarfs des Emslandes decken. Schon gewusst?

– 2600 Biogasanlagen zu je 500 KW sind notwendig, um nur das Kraftwerk Emsland zu ersetzen!

– Pro Biogasanlage entstehen nur 1 bis 1.5 reale Arbeitsplätze.

– Volkswirtschaftlich sind Biogasanlagen eine „Mittlere Katastrophe“. Wortwörtlich  ist das so gesagt und begründet worden.

– Für Einzelbetriebe sind sie eine Option, viel Geld zu verdienen.

– Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, das sich BGAs nur durch staatliche Unterstützungen lohnen. In den Niederlanden gebe es keine BGAs, eben aus diesem Grunde.

– Wir haben im Emsland ein sog. Überschussproblem, wir haben 230.000 ha Nutzfläche, aber würden 242.000 ha für die Tierhaltungen, BGAs, etc. benötigen.

Irgendwann im Laufe des Abends entwickelte sich das Ganze in eine – leider nicht immer sachliche – Diskussion zwischen Betreibern einer BGA und den sich formierenden Gegnern. Am Anfang des Abends wurde die Zahl der die BGA ablehnenden Bürger Baccums auf 600 beziffert. In Laufe des Abends begann eine Diskussion, ob die – jetzt ging es nur noch um DIE – BGA im oder am Wasserschutzgebiet stehe. Irgendwann kam die Frage auf: „Wie soll die BGA jetzt und in Zukunft befeuert werden?“

Leider wurden diese wie auch viele andere Fragen nicht beantwortet. Dadurch wurde die Stimmung immer gereizter. Die Angriffe wurden immer direkter bzw. konnten schon als mehr oder weniger verhohlene Drohung gewertet werden. Ein Zuhörer an unserem Tisch: „So droht nur jemand, der etwas zu verbergen hat!“

Auch als Aussenstehender konnte man merken, dass die Nachbarschaft in Baccum schon mal definitiv kaputt ist. Man muss dafür eintreten, dass die offenen Fragen des Abends geklärt werden, bevor weitere Genehmigungen erteilt werden.

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Am 02.03.2010 fand in der Ortsverwaltung Baccum eine Ortsratssitzung statt. Auf Antrag der SPD-Fraktion stand die Biogasanlage (BGA) als Tagesordnungspunkt 5 auf dem Programm.

Da es in Baccum bezüglich dieser BGA starke Vorbehalte in der Bevölkerung gibt, hatten sich ca. 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger zur öffentlichen Ortsratssitzung eingefunden.

Die SPD-Fraktion übergab dem Ortsbürgermeister Heinrich Schomaker eine Unterschriftenliste, in der sich bis zum 02.03.2010 insgesamt 461 wahlberechtigte Einwohner aus Ramsel, Baccum und Münnigbüren gegen die Erweiterung dieser BGA ausgesprochen haben. Diese Unterschriftenliste ist noch nicht abgeschlossen, da man noch nicht alle Bewohner ansprechen konnte.

Seit Dezember 2009 ist nun die BGA in Betrieb, welche als privilegierte Anlage mit einer Leistung von 350 KW errichtet wurde. Dazu muss man wissen, dass jeder Landwirt für seinen landwirtschaftlichen Betrieb eine BGA als privilegierte Anlage errichten darf. Der Gesetzgeber schreibt hierfür eine Höchstleistung von 500 KW vor. Anlagen mit höherer Leistung sind daher nicht privilegiert, müssen als Sondergebiet ausgewiesen werden und bedürfen einer separaten Genehmigung.

Mehrfach wurde in der Ortsratssitzung bestätigt, dass diese BGA schon jetzt in der Lage wäre, ohne weitere bauliche Maßnahmen, die Leistung, auch unter Zuführung von Hühnergülle, auf 1000 KW und mehr zu erhöhen. Das bestehende Bürogebäude ginge ebenfalls schon über die Privilegierung hinaus.

Hier muss sich der Zuhörer fragen, wie es sein kann, dass eine BGA, welche höchstens eine Leistung von 500 KW haben darf, mit allen Nebengebäuden so errichtet werden kann, dass schon beim Bau hätte ersichtlich sein müssen, dass diese BGA als privilegierte Anlage viel zu groß gebaut worden ist? Haben hier von Seiten der Aufsichtsbehörde keine Kontrollen stattgefunden?

Es scheint doch offensichtlich, dass hier absichtlich größer geplant und gebaut wurde, um somit Fakten zu schaffen um damit nachträglich eine Genehmigung mit Hilfe der Mehrheitspartei durchzusetzen.

Es gibt genügend Beispiele, wie mit einem „normalen“ Bürger verfahren wird, der sich an nicht bestehende Bauvorgaben hält: es muss zurückgebaut werden. Im Ortsrat Baccum wurde es als ein unternehmerisches Risiko (!?) bezeichnet.

Grundsätzlich werden in Biogasanlagen Gärsubstrate wie Schweine- und Rindergülle, Maissilage, Getreide und ein Corn-Cob-Mix (CCB) eingesetzt, welche in einem unterschiedlichen Mischungsverhältnis zugeführt werden. Je nach Anlage ist der Anteil der Maissilage unterschiedlich hoch. Damit einhergehend müssen entsprechende Transporte erfolgen, um die notwendigen Gärsubstrate zur Anlage zu bringen.

Damit steht bereits das nächste Problem für die Anwohner des Ortsteils Baccum auf dem Plan:

Wie viele Fahrten müssen durchgeführt werden um die BGA zu betreiben?

Mit welchen Belastungen haben die Anwohner zu rechnen, am Tag, in der Woche, Monat und Jahr?

Wird rund am die Uhr gefahren?

Sind die Straßen entsprechend ausgebaut?

usw. usw.

Es bleibt festzustellen, dass es auch hier wieder keine Aussage zu einem Verkehrskonzept gibt. Es werden wieder Entscheidungen getroffen, ohne dass alle Faktoren zwingend notwendige Gutachten vorliegen.

Ebenfalls problematisch wird die Schaffung einer Monokultur gesehen, da der Maisbedarf einer BGA so hoch ist, dass beispielsweise für eine 500 KW Anlage mehrere 100 ha landwirtschaftliche Fläche für den Maisanbau in Anspruch genommen werden muss. Dies hat zur Folge, dass weitere landwirtschaftliche Flächen angepachtet werden müssen. Ein Anstieg des Pachtzinses auf jetzt schon 1600 Euro je ha ist das Ergebnis und verhindert für andere Landwirte ein wirtschaftliches Anpachten von Flächen.

Nach längerer Diskussion in der Bürgerfragestunde zu diesem Projekt ergriff ein Bürger (Name dem Verfasser bekannt) das Wort und stellte fest, dass er erschrocken sei, dass hier über eine BGA gesprochen wird, und alle Beteiligten keinerlei Ahnung über die Errichtung und den Betrieb, sowie nachhaltige Auswirkungen einer BGA haben. Er selbst sei in einem Betrieb beschäftigt, der BGA errichtet und auch saniert und er daher ausdrücklich für BGA sei.

Dazu müsse man aber wissen, dass der Betrieb einer BGA nicht unproblematisch ist. So werden beim Betrieb einer BGA diverse Giftstoffe wie Formaldehyd, Stickstoffe usw. anfallen. Je nach Konzipierung (also nach dem Errichtungspreis) der Anlage lassen sich die Giftstoffe entsprechend verringern. Je hochwertiger und damit auch teurer eine Anlage errichtet wird, umso umweltverträglicher wird sie. Mit der Folge, dass der Grad der Rentabilität sinkt.

Ein weiteres Problem, welches durch neuste Studien bewiesen wurde, sei die abschließende Verwertung bzw. Verwendung der Gärreste. Hier hat sich herausgestellt, dass diese Gärreste, welche von den Betreibern der Biogasanlagen gern als Dünger angeboten werden, als problematisch anzusehen sind. So befinden sich in den Gärresten Wachstumshemmer, die dazu führen, dass die Erträge auf den Ackerflächen nach diesen neuen Studien um ca. 10 Prozent sinken. In diesen Gärresten befinden sich so viele Giftstoffe, dass 10 Jahre (!!!) lang auf diesen landwirtschaftlichen Flächen keine Lebensmittel mehr angebaut werden dürfen!

Soweit dieser Bürger.

Als Zuhörer dieser Ortsratssitzung muss ich feststellen, dass dringender Aufklärungsbedarf besteht. Sowohl bei den Bürgern als auch bei den beteiligten und mitverantwortlichen Ortsräten. Es muss unbedingt fachlicher Rat eingeholt werden.

Auch muss vor einer Erhöhungsgenehmigung ein Verkehrskonzept entwickelt werden, welches vor allem den berechtigten Interessen der Anwohner entspricht.

Eine permanente Kontrolle der Anlage bezüglich der Schadstoffe nach dem BImSchG hat zu erfolgen. Auch schon im Hinblick auf dem schon bei der Hedonklinik stehenden Blockheizkraftwerk.

Bezüglich der Geruchsimmissionen und auch des zu erwartenden Verkehrs ist Rücksicht auf das Naherholungsgebiet der Baccumer Mühle zu legen. (Wahrung Bestandschutz)

Es fehlt eine übergeordnete Regelung zur Errichtung solcher Anlagen, da es nicht sein darf, dass im Umfeld dieser Anlage keine Wohnbebauung mehr möglich sein kann.

Monokulturen sind zu verhindern.

Die Anlage muss auf dem neusten Stand der Technik basieren und darf nicht nur die Rendite im Auge habe. Die negativen Folgen haben alle zu tragen. Hier muss eine Haftung der Betreiber der BGA eingeschlossen werden.

Interessierten Bürgern empfehle ich folgende Literatur der Hochschule Vechta:

http://www.verbundprojekt2-faen.de/download.php?file=pdf_files/publikationen/mitteilungen_-_heft_65.pdf

Diese komplexe Materie überfordert in Teilen sicherlich den normalen Zuhörer (auch mich), zeigt aber umso dringlicher, dass hier von Seiten der Politik mit großer Fürsorgepflicht an dieses Projekt herangegangen werden muss. Man kann sicherlich nicht von den Stadt- und  Ortsräten erwarten, hier entsprechende Fachkenntnisse zu besitzen; daher ist es dringend notwendig, vor solchen schwerwiegenden Entscheidungen den fachlichen Rat einzuholen.

Fehlentscheidungen aus Unwissenheit sind schwer wieder zu beheben

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